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Tag 1 6 Uhr
morgens
Es ist noch dunkel drauβen, aber ich bin schon seit 5 Uhr wach und
bereite mich auf die nächsten drei Tage vor, die wahrscheinlich
anstrengender werden, als alle Kampfsportkurse, die ich je gemacht habe.
Um 6.10 bin ich im Sportzentrum und ein paar Leute sind schon da. Alle
scheinen nervös zu sein und wahrscheinlich gehen uns die gleichen
Gedanken durch den Kopf: Wieso haben wir uns angemeldet und wollen wir
wirklich mitmachen? Unser Alter liegt zwischen Mitte Zwanzig und Ende
Dreiβig, ein paar sind etwas älter.
Um 6.20 Uhr kommt Moni und das Erste was man bei seinem Eintreten
bemerkt, ist seine Gröβe. Er ist ein kräftiger, sportlicher Typ und
sieht aus als ob er in den Dreiβigern ist, ohne ein graues Haar in Sicht
(Er ist 53!). Moni stellt sich uns allen persönlich mit Handschlag vor.
Danach füllen wir in der Gruppe einige Formulare aus und nachdem wir
unser Leben mit der Verzichtserklärung abgeschrieben haben….ha ha, nur
ein Witz. Wir müssen alle eine kurze Selbstdarstellung schreiben. Die
wird auf der CKM Webseite veröffentlicht, wenn wir den Kurs bestehen.
Danach hat jeder eine Minute Zeit sich kurz vorzustellen. Es ist
interessant, den Anderen zuzuhören. Zwei sind Soldaten, einer ist aus
der Royal Air Force, einer ein polizeilicher Ausbilder für
Verteidigungstaktiken, dann ist da ein Banker, ein paar Büroleute und
einer von der Londoner Feuerwehr. Den Rest weiβ ich nicht, die haben es
nicht gesagt.
Um 6.30 Uhr wärmen wir uns auf, dehnen und fragen uns, was wohl als
Nächstes kommt. OK, laβt uns was tun, sagt Moni. Wir beginnen mit der
Abwehr von Würgegriffen, usw. Moni erklärt erst das Konzept und macht es
dann vor. Wir fangen mit den ganz grundlegenden Sachen an, denn alle
Techniken werden aufgeschlüsselt. Zuerst üben wir unsere Balance zu
halten. Bisher, sagt Moni, haben wir es alle falsch gemacht. Jetzt wird
so lange geübt, bis es sitzt, bevor wir weitermachen können. Denn wenn
wir alle unterrichten wollen, müssen wir es jedesmal zu 100% richtig
machen. Ein paar Stunden vergehen und wir dürfen 5 Minuten Pause zum
Trinken machen. Wir schwitzen alle und es ist erst 8.30 Uhr. Es wird ein
langer Tag werden. Wir trainieren weiter, wir üben und üben, wechseln
den Partner, damit wir uns daran gewöhnen mit Leuten unterschiedlicher
Gröβe zu trainieren. Wir machen Notizen auf den Blöcken, die Moni uns
gegeben hat. Wir haben nicht viel Zeit zu schreiben, da es alles sehr
viel ist. Meine Notizen sind so gekritzelt, dass ich sie kaum lesen kann
und das Papier ist von Schweiβ durchtränkt. Wir werden aufgefordert
Fragen zu stellen und Moni möchte, dass wir so viel wie möglich fragen,
was bei meinen vorherigen Trainern nicht so war.
Bevor wir neue Techniken lernen, machen wir Überraschungsangriffe und
üben auch mit geschlossenen Augen. Es funktioniert so gut, dass es
keinen Unterschied macht, ob die Augen auf oder zu sind. Durch das
dauernde Üben lernt man die Bewegungen so gut, das man sie mit
geschlossenen Augen erkennen kann, ihr wiβt schon was ich meine. Wir
machen damit weiter, bis Moni zufrieden ist. Als Nächstes sind
Schusswaffen dran. Wir lernen schnelle Entwaffnung und die verschiedenen
Anwendungen. Wir üben alle Stellungen, d.h. von vorne, von hinten und
der Seite. Die gleiche Technik, funktioniert für alle Positionen. Wir
üben weiter, tauschen Partner und machen schlieβlich mit
Überraschungsangriffen weiter, die auch die Würgegriffe und Schusswaffen
von vorher einschlieβen. Das machen wir bis zur Mittagspause. Wir nutzen
die Zeit, um viel zu trinken, einen Bissen zu essen und wechseln unser
T-Shirt. Gute Körperpflege wird von Moni erwartet, was richtig ist.
Am Nachmittag machen wir weiter mit Level 1. Wir nehmen Messerabwehr,
Schläge, Bodenkampf, Schwachpunkte und Druckpunkte durch. Wir üben und
üben und jedes mal wenn wir ein Thema abgeschlossen haben, machen wir
Pressure Tests die auch die vorherigen Themen einbeziehen. Dann müssen
wir noch Angriffe mit Schusswaffen, Messern, Würgegriffen, Schlägen und
Beschimpfungen behandeln. Diese Techniken müssen wir dann anderen
erklären, um zu zeigen, dass wir das Konzept verstanden haben. Am späten
Nachmittag, sind wir mit Level 1 durch. Jetzt ist das Rückwärtsabrollen
dran. Es ist sehr anstrengend, da man dauernd hoch und runten geht und
ewig rollt, um diese gut hinzukriegen. Schlieβlich machen wir noch mehr
Pressure Tests und um 5.30 Uhr sind wir mit Level 1 durch. Moni erinnert
uns, dass heute der einfache Tag war. Wir sollen alle früh ins Bett, da
der zweite Tag noch anstrengender werden wird. Uns tut jetzt schon alles
weh und wir fühlen uns geistig und körperlich ausgelaugt, aber wir haben
schon so viel erreicht. Ich muss noch meine Notizen durchgehen, um zu
sehen, was ich geschrieben haben und sie noch einmal neu abschreiben.
Nach dem Duschen und Essen gehe ich früh ins Bett, kann aber nicht
schlafen, da mir die ganzen Techniken im Kopf herumschwirren. Auβerdem,
je eher ich einschlafe, desto früher ist es morgen. Der Wecker ist
wieder auf 5 Uhr gestellt für den zweiten, noch anstrengenderen Tag.
Zweiter Tag
Der Wecker klingelt um 5 Uhr morgens. Ist es wirklich schon 5 Uhr? Kaum
zu glauben. Mindestens viermal bin ich in der Nacht aufgewacht. Beim
Aufstehen merke ich, das mein Rücken weh tut und dann werfe ich einen
Blick auf meinen Zimmerkameraden, der sieht aus, als hätte er einen
Unfall gehabt. Wir kichern wie Schulmädchen. Man muss doch lachen, wie
soll man es sonst schaffen.
Nach dem Duschen, einem Smoothie und ein paar Müsliriegeln treffen wir
einen Typen von unserem Kurs in der Rezeption des Hotels um 6.10 Uhr.
Während wir zum Sportzentrum gehen, merke ich wie müde ich bin.
Einerseits freue ich mich auf den zweiten Tag, andereseits graut mir
davor. Als wir ankommen sind schon ein paar von den anderen da. Alle
sehen erschöpft aus. Das Gleiche wie gestern: wir machen uns warm und
warten auf Moni.
Moni ist sehr gut gelaunt, versäumt es aber nicht, uns zu erinnern, dass
heute noch anstrengender wird. Gestern sei nichts im Vergleich. Nach dem
Aufwärmen fangen wir sofort an und wiederholen die Techniken von Level
1. Wir machen es eine ganze Weile, bevor wir mit Level 2 beginnen. Level
2 ist sehr umfangreich und außerdem technisch viel schwieriger als Level
1. Man tut sich schwerer alles zu lernen und aufzunehmen, weil man nicht
mehr so frisch ist wie am ersten Tag. Wie auch immer, wir machen weiter
und lernen die neuen Konzepte. Wir üben und üben, tauschen Partner
dabei. Dann kommen Pressure Tests, immer wieder und zuletzt müssen wir
die Techniken den anderen erklären.
Ab und zu machen wir für eine Minute Pause, um zu trinken und diese Zeit
wird auch genutzt, um Notizen zu machen. Mittags unterbricht Moni für
länger. Bis dahin habe ich schon zwei T-Shirts durchgeschwitzt. Jetzt
ordentlich trinken und nicht zu viel essen, sagt Moni, heute nachmittag
wird es sehr anstrengend.
Es ist jetzt 1 Uhr und ich habe mein drittes T-Shirt an. Wir gehen in
die groβe Halle des Sportzentrums, die wirklich riesig ist und von sonst
keinem benutzt wird. Wir haben sie für eine Stunde und Moni möchte die
Zeit gut nutzen. Ich ahne, dass wir gescheucht werden.
Also Leute, bis zum Ende sprinten, wieder zurück und das Ganze sechsmal,
sagt Moni. Der Letzte wird dann von allen anderen mit Messern,
Schusswaffen, Würgegriffen, usw. angegriffen und muss sich verteidigen.
Nach dem ersten Durchgang sind wie gut warm. Ok Leute, sagt Moni, noch
einmal. Jetzt werden wir müde, machen aber voll weiter mit
Überraschungsangriffen für jeweils 3 Minuten, sind aber nach den Sprints
immer schon außer Atem. Wir machen so weiter, tragen jetzt aber einen
Partner Huckpack dreimal durch die Halle, gefolgt von Burpees mit Knie
an die Brust, dann wieder Überraschungsangriffe für 4 bis 5 Minuten. Es
ist jetzt richtig angestrengend. Unsere Lungen arbeiten auf Hochbetrieb
und der Fußboden ist vom Schweiß sehr rutschig geworden. Ich bin froh,
dass ich mich gut auf den Kurs vorbereitet und genau diese Übungen
trainiert hatte.
Endlich ist die Stunde um und die Scheucherei vorbei. Wir sind alle
total erschöpft und Moni erlaubt uns 10 Minuten Pause zum Trinken. Ich
trinke viel und wechsel mein durchgeschwitztes T-Shirt. Moni lobt uns,
wir hätten uns alle gut eingesetzt. Uns zu loben, fällt ihm nicht schwer
und verbessert die allgemeine Stimmung wieder.
In den nächsten 3,5 Stunden schließen wir Level 2 ab. Um 5.30 Uhr sind
wir fertig und werden morgen beide Level wiederholen und die
Abschlussprüfung machen.
Dritter Tag 5.00 Uhr morgens
Ich bin auf und brauchte gar keinen Wecker! Die innere Uhr hat sich
angepasst. Heute tut mir alles weh. In diesem Moment möchte man
unbedingt den Kurs bestehen und nicht noch einmal von vorne beginnen.
Wie an den voherigen Tagen treffen wir uns in der Rezeption und gehen
zum letzten Mal zum Sportzentrum. Wir vergleichen blaue Flecke und
Beulen. Einer sieht besonders schlimm aus. Wir machen uns warm und
dehnen unsere schmerzenden Muskeln. Es riecht nach Franzbranntwein und
ähnlichen Cremes,womit alle ihre Wehwehchen behandelt haben.
Moni kommt und wir reden über die Prüfung. Er erinnert uns, dass ca. 35%
durchfallen werden. Moni erklärt uns den Prüfungsablauf und legt eine
Reihenfolge fest. Er schreibt Zahlen auf kleine Zettel, die er mit
seinen riesigen Händen zusammenknüllt. Jeder muss einen Zettel ziehen.
Oh Schreck, ich habe die Nummer 1. Möchte jemand tauschen, frage ich.
Auf keinen Fall als Erster. Ein Typ wollte gerne zuerst. Jetzt war ich
Nummer 6 von 12, ein Glück.
Lasst uns anfangen, sagt Moni. Jetzt könnt ihr üben, was ihr möchtet.
Sucht euch einen Partner und wiederholt alles in den nächsten zwei
Stunden. Es war eine gute Möglichkeit, alles noch einmal durchzugehen
und so zu tun als würde man unterrichten. So habe ich es auf jeden Fall
gemacht. Während wir die Level 1 und 2 wiederholten, machte Moni letzte
Korrekturen und beantwortete Fragen. Es waren zwei harte Stunden: alles
üben, Notizen durchlesen und auch den Unterrichtsteil noch einmal
durchgehen.
Nach den zwei Studen durften wir trinken und zum Klo gehen. Wir ihr euch
vorstellen könnt, war jetzt viel los auf den Klos. Ich muss zugeben, der
Typ, der nach mir auf die Toilette ging, verzog beim rausgehen sein
Gesicht und fragte, ob es mir nicht gut ginge. Das war komisch. Die
Tests sollten gleich beginnen.
Wir legten den Raum mit Matten aus. Das war für die Rückwärtsrollen. Als
Erster dran war der Typ, der mit mir getauscht hatte. Er musste vor Moni
sitzen und Fragen zur Geschichte von CKM und Ähnliches beantworten.
Anschließend musste er harte und weiche Rollen von einem Ende des Raumes
bis zum anderen vormachen und durfte erst aufhören, als Moni zufrieden
war und die Fälle gut genug waren. Er war schon etwas außer Atem. Als
Nächstes musste er sich einen von uns aussuchen, der mit Tritten,
Faustschlägen, Messern usw. angreifen wird. Das geht so weiter, bis alle
Techniken durch sind und gut genug ausgeführt wurden. Jetzt atmet er
schon etwas schwerer. Diese Techniken müssen perfekt sitzen und der
Angreifer muss so angreifen, als wäre es echt. Danach kommt der
Unterrichtsteil. Moni sucht eine Technik aus, die gelehrt werden soll.
Die Testperson hat zwei Minuten Zeit die Notizen durchzugehen und dann
muss er die Technik jemandem beibringen. Trainererfahrung hilft hier und
das Ganze kann etwas unheimlich sein, wenn man noch nie unterrichtet
hat. Man hat während des gesamten Kurses jedoch genug Möglichkeiten es
zu üben. Das dauert jeweils 5 bis 15 Minuten, was von der gewählten
Technik abhängt.
Als letztes kommt ein radikaler Pressure Test, der 6 Minuten dauert. Man
wird von drei Angreifern unterschiedlicher Größe angegriffen. Die kommen
mit Pistolen, schwingen Messer und allem anderen: schwere Schläge,
Tritte, gemeine Würgegriffe, Klammerungen usw. Es war interessant zu
sehen, wie wir alle damit fertig wurden. Es war erstaunlich, wie viel
geschimpft wurde. Ich war nur froh, dass nebenan keine Nonnen waren. Es
muss sich nach Massenschlägerei angehört haben. Ich muss sagen, die
Leute sind schon mit den komischsten Sachen rausgerückt. Selbst Moni hat
gelacht. Ich hab’ noch nie so viele Beleidigungen und Schimpfwörter
gehört, haha. Aber so ist es ja in Wirklichkeit, oder nicht?
Am Ende ist man unheimlich erschöpft und erleichtert. Es hat ziemlich
lange gedauert, bis alle durch waren und wenn man nicht selber getestet
wurde, muβte man trotzdem mitmachen und Angreifer spielen. Zeit zum
Rumsitzen gab es nicht.
Zum Glück hatten am Ende des dritten Tages die Meisten von uns den
Intensivkurs und den Abschlusstest bestanden und bekamen die Urkunde.
Der gesamte Kurs war wirklich ein fantastisches Erlebnis und
gleichzeitig auch ein echter Härtetest. Moni schafft es, das Beste aus
Allen herauszuholen und wenn man gut vorbereitet ist, kann ich es nur
empfehlen. Man muss jedoch vorher wissen, dass es wirklich hart ist, und
nicht alle bestehen und bekommen die Urkunde. Moni ist ein fantastischer
Lehrer mit viel Charisma und Sinn für Humor. Ich fand, er war immer
ansprechbar und hilfsbereit Er ist sogar mit uns zum Abschluss noch
einen trinken gegangen, was wir echt verdient hatten.
Ich hoffe, dass alle die wissen wollten wie der Kurs ist, sich jetzt
eine Vorstellung davon machen können. Macht mit und habt Spaβ dabei. Es
ist wirklich klasse.
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